DGAZ - Dr. Michael Weiß

Erste Erfahrungen mit der verkürzten Par-Strecke für § 22 - Patienten.

Es ist sehr zu begrüßen, dass seit Mitte 2021 nun auch Richtlinien für die Parodontaltherapie bei multimorbiden Patienten vorliegen. Endlich ist der unerträgliche Schwebezustand beendet, indem sich jeder Kollege befunden hat, wenn es um die Abrechnung durchgeführter Parodontalleistungen in dieser Patientengruppe ging. Häufig führte die Verwendung alternativer Gebührenpositionen wie z.B. Exc, Mu, etc. in diesem Zusammenhang zu lästigen Auseinandersetzungen mit der KZV und Prüfungsausschüssen.

Aufgrund der zahlenmäßig steigenden Restbezahnung unserer Patienten und der Schwierigkeit, eine ausreichende Mundpflege durch das Pflegepersonal zu gewährleisten, nimmt die Zahl der behandlungsbedürftigen Parodontopathien exponentiell zu.

Ein von uns verfolgter Therapieansatz, die neue verkürzten Par Strecke für § 22 – Patienten um zu setzen, sieht folgendermaßen aus:

Wir teilen die Patientengruppe auf in:

  • Stark reduzierte Restbezahnung (1-5 Parodontien) hier erfolgt die Therapie meist vor Ort.
  • Restbezahnung (mehr als 5 Parodontien) hier erfolgt die Therapie an einem einzigen Behandlungstermin in der Praxis (je nach Belastbarkeit des Patienten)

In der letzten Gruppe konnten auch hin und wieder Patienten mit einem besseren Allgemeinzustand und einer guten Compliance herausgefiltert werden, die eine mehrstufige Standard-PAR Behandlung nach den neuen Richtlinien zu lassen.

Anfänglich waren einige Startschwierigkeiten zu überwinden:

Der Versuch, Angehörige oder Betreuer über die geplanten PAR- Maßnahmen aufzuklären, endete in der Regel damit, dass man uns an das Pflegepersonal verwies. Die Vorbereitungsgespräche mit der Pflege hinterließen auf uns keinen erfolgversprechenden Eindruck. Wir haben uns daher entschlossen, ein Informationsschreiben zu verfassen, das wir dem Pflegepersonal zur Kenntnis geben und das seinen Eingang in die Pflegedokumentation finden soll.

Das KZV-Formular für die PAR-Behandlungsanzeige war anfangs nicht erhältlich. Das mit „Muster“ bedruckte Formular wurde nicht anerkannt. Wir haben dann hilfsweise die Formulare einer Nachbar-KZV genutzt.

Die Praxis-Software und selbst der ParoStatus.de können bis heute nicht mit der verkürzten PAR-Strecke umgehen, folglich werden die Formulare per Hand ausgefüllt.

In der Pflegeeinrichtung am Patienten wird nun etwas mehr Behandlungsdisziplin vom Zahnarzt verlangt. Es wird die Dokumentation der Taschentiefen, wenigstens mit einer zwei Punktmessung -wo es möglich ist- mit mehr Nachdruck durchgeführt. Es folgt die Anästhesie oder mindestens die Anwendung eines Anästhesiegels, damit die geschlossene Kürettage an den Zähnen durchgeführt werden kann. Den Abschluss der Behandlung stellt die Taschenspülung mit CHX dar. Der Patient kann in eine Papp-Nierenschale ausspülen oder es wird mit der am Bett vorhandenen Absauganlage abgesaugt.

Diese Abläufe haben sich bisher bewährt. Erfahrungen zu den UPT´s liegen wegen der Kürze der Zeit noch nicht vor. Einige KZVen verlangen den Zusatz „-S“ bei der Abrechnung der UPT um den §22-Zusammenhang deutlich zu machen.

Michael Weiss