DGAZ Preis für SeniorenzahnMedizin an Dr. Dr. Hans-Peter WillenborgAusgezeichnet: Longitudinalstudie liefert Erkenntnisse über Korrelationen subjektiver Empfindungen und objektiver Befunde zur Mundgesundheit

Auf ihrer 31. Jahrestagung verlieh die DGAZ den Deutschen Preis für SeniorenzahnMedizin an Dr. Dr. Hans-Peter Willenborg

30. Mai 2022 - Leipzig/Königstein. Die DGAZ (Deutsche Gesellschaft für AlterszahnMedizin) hat auf ihrer diesjährigen Hauptversammlung Mitte Mai in Königstein Dr. med. dent. Dr. PH Hans-Peter Willenborg für seine Arbeit „Zahnmedizinische Befunde und mundgesundheitsbezogene Lebensqualität bei pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren“ den Deutschen Preis für Seniorenzahnmedizin 2022 in der Sektion Wissenschaft verliehen. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Foto: DGAZ-Generalsekretär Dr. Klaus-Peter Wefers (li.) überreicht den Preis an Dr. Dr. Hans-Peter Willenborg während der DGAZ-Jahrestagung Foto: Heinz von Bülow

31. Jahrestagung - Deutsche Gesellschaft für AlterszahnMedizin (DGAZ) - Taunus Königstein
„Die aufsuchende Betreuung unter die Lupe genommen“

Im Mittelpunkt der Tagung stand dieses Jahr die aufsuchende Betreuung - Ambulant sowie Stationär in einer Pflegeeinrichtung. Dabei wurden auch die neuen Versorgungsrichtlinien in der Parodontologie beleuchtet insbesondere der §22a-Patienten (Patienten mit Pflegegrad).

Laut Prof. Dr. Ina Nitschke, MPH (DGAZ-Präsidentin): Die Regelmäßigkeit termingerechter Besuche, die Möglichkeit einer der Wissenschaft angepassten Therapie sowie die Kooperationen mit der Pflege, den Ärzten und Angehörigen empfinden wir als tragende Säule einer verantwortungsbewussten Betreuung unserer älteren Patientinnen und Patienten.

dgaz symposiumDie häusliche SeniorenZahnmedizin unter der Lupe

Die Deutsche Gesellschaft für Alterszahnheilkunde (DGAZ) widmete ihr 5. Symposium zur Senior*innen-Zahnmedizin am 11. März 2022 dem Thema „Alters-Zahnmedizin und Häuslichkeit“. Die Präsensenveranstaltung (3-G) im Kölner Lindner Hotel City Plaza stand unter der Überschrift "Pflegebedarf beginnt nicht im Seniorenheim".

dgaz symposium barbe mit noackDie Leiterin der AG Seniorenzahnmedizin PD Dr. Dr. Greta Barbe und DGAZ-Vorstandsmitglied Dr. Dirk Bleiel freuten sich, nach längerer „Durststrecke“ in Köln fast 70 Teilnehmer*innen bei einer Präsensveranstaltung begrüßen zu können. Fünf hochkarätige Referenten widmeten sich mit ganz unterschiedlicher Zugangsweise einem wichtigen Aspekt der Alterszahnheilkunde, der bislang eher zu kurz kommt: der Betreuung von zu Hause gepflegten Patienten. Denn, so das Motto des DGAZ-Symposiums, „Pflegebedarf beginnt nicht im Seniorenheim“.

In seinem Grußwort betonte Prof. Dr. Michael Noack, dass sich die Seniorenzahnmedizin mittlerweile als wichtiger Bereich der Zahnmedizin etabliert hat und unter weit besseren Rahmenbedingungen als in den Anfängen stattfindet.

Behandlungsbedarfe im Wandel
dgaz symposium benz bzaekProf. Dr. Christoph Benz stellte in seinem Vortrag die Entwicklung der Behandlung der Pflegebedürftigen vom „Exotenstatus“ auf einen Platz mitten in der Zahnmedizin dar. Wichtige Meilensteine waren dabei die Erweiterungen des BEMA um Pflegepositionen in den Jahren 2013 und 2019 sowie jüngst die besondere PAR-Richtlinie. Der Präsident der Bundeszahnärztekammer und Vizepräsident der DGAZ wies auf die stark wachsende Zahl der Pflegebedürftigen hin, von denen bereits heute etwa 80 Prozent in der Häuslichkeit leben. Die Frage, „was die Kollegen dort machen“ sei schwer zu beantworten, es handele sich um einen „blinden Fleck der Alterszahnmedizin“.
Da die Zahl der an Karies erkrankten bzw. verlorenen Zähne zurückgeht, ändern sich, so Prof. Benz, die Behandlungsbedarfe in Zukunft sehr stark. Es gelte zwar der Kernsatz: „Pflege ist keine große Prothetik“, aber an den vielen „kleinen Dingen“ hängt, so Prof. Benz, „das Restlebensglück der alten Menschen“. Man müsse auch wissen, dass Pflege weniger Praxis sei. Vieles muss mit einfacheren Mitteln in der Häuslichkeit gemacht werden.
Abschließend behandelte der Präsident der BZÄK Pro und Contra der Frage, ob die Zahnärzteschaft das Thema Delegation – nur für den Sonderbereich „häusliche Pflege“ (!) –aufgreifen müsse. Bei allen bedenkenswerten Vorschlägen gelte es, das Risiko „Zahnarzt light“ unbedingt zu vermeiden und somit keine zusätzlichen Berufe einzuführen. Sein Fazit: „Häusliche Pflege-Zahnmedizin ist kein Hexenwerk, absolut zukunftsfest und einer unserer ganz wenigen Wachstumsbereiche, die der Berufsstand wahrnehmen sollte.“

Vom Exoskelett bis zum Pflegeroboter
Aus einer ganz anderen, technischen Perspektive brachte Prof. Dr. Patrick Jahn Licht in die Zukunft der häuslichen Pflege. Als ehemaliger Pfleger arbeitet der heutige Leiter der AG Versorgungsforschung in der Inneren Medizin der Universität Halle nah an der Praxis. Seine These: Nicht nur die Pflegebedürftigen, sondern auch die Pfleger altern und benötigen ebenso dringend technische Unterstützung, wie die von ihnen betreuten Menschen.
Prof. Jahn stellte das breite Spektrum von Hilfen vor, welche die Robotik heute bereitstellt oder in Kürze bereitstellen wird – von „intelligenten Betten“ über Exoskelette für den Pfleger bis zu Assistenz- und Diagnosesystemen. Einige komplexe Roboter stehen bereits an der Schwelle zur Einsatzbereitschaft, bieten Objekt- und Gesichtserkennung sowie autonome Navigation und können mittels Greifarm oder gar Fünf-Finger-Hand Arbeiten am Patienten vornehmen. Nach Ansicht von Prof. Jahn muss aber niemand Angst haben, dass der Zahnarzt durch technische Innovationen in der Zukunft nicht mehr nötig sei. Er wird allerdings nicht mehr unbedingt immer direkt neben dem Helfer stehen müssen, wenn dieser behandelt.

Herausforderung Kommunikation
Prof. Dr. Christiane Schiessl, Anästhesistin, Schmerztherapeutin und Palliativmedizinerin wurde aus München per zoom zugeschaltet. Die Chefärztin einer Tagesklinik für Schmerzmedizin in München widmete sich kommunikativen Herausforderungen, die sich dem Zahnarzt bei der aufsuchenden Betreuung stellen. Sie erklärte, sie habe die Fortschritte der „sprechenden Zahnmedizin“ in den letzten Tagen erfreut zur Kenntnis genommen.
Allerdings seien viele allgemeingültige Kommunikationsregeln für Zahnärzte schwer umzusetzen, angefangen mit dem Gespräch auf Augenhöhe. Die Schutzkleidung des Behandlers und die Mundöffnung des Patienten reduzieren Mimik und Gestik. Zudem arbeite der Zahnmediziner in einem zentralen Intimbereich des Menschen. Zusätzliche Stressfaktoren für den aufsuchenden Behandler sind die unbekannte bzw. neue Arbeitsumgebung und damit eine fehlende Planbarkeit sowie die häufige Anwesenheit von Pflegern oder Angehörigen des Patienten. Als wichtiges Hilfsmittel, um diese Herausforderungen zu bewältigen, wies Prof. Schiessl auf den Online-Kurs der BZÄK zur „Teach-back-Methode“ (www.bzaek-teach-back.de) hin.

Pflegekräfte und Zahnmedizin
Ramona Waterkotte, Zahnarzthelferin, examinierte Pflegefachkraft und Soziologin, berichtete auf Grundlage eigener Erfahrungen, wie es tatsächlich um die Mundgesundheit von Patienten steht, die in der Häuslichkeit von ambulanten Pflegediensten betreut werden. Die Mundpflege ist zwar als Teil der Körperpflege in den Leistungskomplexen der grundpflegerischen Versorgung wie Rasieren und Kämmen enthalten. Auch wenn die vielen mittlerweile beteiligten Hilfskräfte unter oft sehr schweren Bedingungen gute Arbeit leisten, kommt die Mundgesundheit dennoch oft zu kurz.
So müssten Auffälligkeiten in der Mundhöhle eigentlich über den Umweg der zuständigen Pflegefachkraft an den Zahnarzt weitergeleitet werden. Das ist, so Waterkotte, allerdings recht unrealistisch. Da eine entsprechende Ausbildung der Betreuer fehlt, gehen latente Mund- und Zahnbeschwerden im Alltag solange unter, bis sie sich in akuter, das heißt schmerzhafter Form darstellen. Manchen Fachkräften, so das Ergebnis ihrer Umfrage, sei gar nicht bekannt, dass ein Zahnarzt nach Hause kommen kann und dass die Mundpflege zur kleinen Grundpflege gehört. Gerade, wenn es Angehörige gibt, fehle das Bewusstsein, dass die Mundpflege zu den Aufgaben der ambulanten Pflege gehört.

Bottom up statt top down
Abschließend führte Dr. Volkmar Göbel aus „Praktikersicht“ die hochmoderne Ausstattung vor, mit der seine Praxis die mobile Pflege durchführt. Er zeigte Möglichkeiten, aber auch Grenzen einer „Digitalen Transformation in der aufsuchenden zahnärztlichen Behandlung von pflegebedürftigen Patienten“ auf. Es gelte, das Gewicht etwa bei Projekten der telemedizinischen Überwachung und dem mobilen Röntgen trotz bürokratischer Hindernisse mehr auf die Chancen als auf die Risiken zu legen.
Der in Gössenheim niedergelassene Zahnarzt betonte, der Koalitionsvertrag sehe ausdrücklich eine Förderung der Alterszahnheilkunde vor. Er forderte deshalb: „Wir haben den Auftrag, die aufsuchende Betreuung und damit die Alterszahnheilkunde aufzuwerten. Die Möglichkeiten müssen wir selbst entwickeln, damit wir sie nicht von der Politik übergestülpt bekommen!“
Dr. Uwe Neddermeyer, KZV Nordrhein

dgaz 5 symposium 2022Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

wir freuen uns sehr, dass Sie sich für unser Symposium „Pflegebedarf beginnt nicht im Seniorenheim“ angemeldet haben.
Aufgrund der noch bestehenden Einschränkungen an der Uniklinik Köln müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir auf einen externen Veranstaltungsort wechseln mussten, da wir eine Präsenzveranstaltung bevorzugen.
Wir entschuldigen uns für die kurzfristige Planungsänderung, haben aber bis zum letzten Moment gehofft, doch noch in der Uni tagen zu können.
Wir freuen uns nun sehr, dass wir im Lindner Hotel eine mindestens ebenso schöne und angemessene Location finden konnten.

Softwarespezialist Mario Kuhn übernimmt die Nachfolge von ZA Ulrich Pauls

25. Januar 2022 - Leipzig. Das Medikamenten-Informationssystem für Zahnärzte (MIZ) MIZ - Medikamenten-Info für Zahnärzte - ist ein Programm, das Zahnmediziner*innen dabei hilft, die Medikationspläne ihrer Patientenschaft ohne großen Aufwand beurteilen zu können. MIZ unterstützt dabei, latentes Wissen zu reaktivieren und das Wissen um neuere Entwicklungen zu ergänzen und ist damit ein wichtiger Baustein für die Patientensicherheit gerade älterer Patienten. Das MIZ erfährt durch das Ende der beruflichen Laufbahn des Initiators und langjährigen Autors, ZA Ulrich Pauls M.A. (Ahaus), aber einige Veränderungen. Die Weiterführung dieser Softwarelösung, die vielen Zahnärzten als wichtige Informationsquelle dient, ist jedoch gesichert. Mit Mario Kuhn, Freier EDV-Berater, Dozent und Softwareentwickler, (Sassnitz) konnte ein Nachfolger gefunden werden, der dieses Programm verantwortlich weiterführen wird. Die bisherige 'MIZ-Dental GmbH' wird nicht weitergeführt.